Soziale Beziehungen und Stress

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Soziale Kontakte sind für die psychische Gesundheit sehr wichtig. Familie, Freunde und andere Menschen, die uns guttun, können uns im Umgang mit Stress helfen. Deshalb kann es sich lohnen, sich über die eigenen Kommunikationsmuster Gedanken zu machen, denn die zwischenmenschliche Kommunikation ist die Basis aller Beziehungen.

Dazu ist es zunächst wichtig, sich klarzumachen, dass jeder Mensch die Welt durch seine „eigene Brille“ sieht und gleichzeitig davon ausgeht, dass andere Menschen die Welt genauso wahrnehmen. Ein Trugschluss, denn unsere Sicht auf die Welt wird durch all unsere Erfahrungen und durch unsere Persönlichkeit geformt. Wenn man dies berücksichtigt, ist es häufig leichter, Missverständnisse aufzuklären.

Um sich selbst und dem Gegenüber im Gespräch etwas Gutes zu tun, ist es ratsam, sich in „aktivem Zuhören“ zu üben. Diese Methode stammt aus der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers. Sie setzt eine bestimmte Haltung voraus und beinhaltet verschiedene Handlungen:

Haltung:

  1. Kongruenz: Versuche, „bei dir selbst zu sein“, nimm deinen Körper, deine Atmung und deine Gefühle in der aktuellen Gesprächssituation wahr.
  2. Akzeptanz: Übe dich in positiver, wertschätzender Aufmerksamkeit. Versuche, das Gehörte zunächst nicht zu bewerten, sondern die Sicht deines Gegenübers nachzuvollziehen. Unterbrich deine*n Gesprächspartner*in nicht.
  3. Empathie: Versuche auch, die Gefühle deines Gegenübers zu verstehen. Warum geht es ihr oder ihm so? Wie fühlt sich das wohl an?

Handlung:

  1. Paraphrasieren: Wiederhole die zentralen Punkte des Gesagten, ohne zu bewerten. Dabei können Formulierungen wie „Du meinst…“ oder „Habe ich dich richtig verstanden, dass…“ helfen. Das fühlt sich anfangs vielleicht künstlich oder komisch an, hilft aber dabei, einfühlsam zu kommunizieren und dem Gegenüber das Gefühl zu geben, wirklich verstanden worden zu sein.
  2. Ich-Botschaften: Wenn du auf das Gesagte reagieren und deine eigene Sicht einbringen willst, nutze Ich-Botschaften, indem du z.B. Formulierungen wie „Ich glaube/ denke…“ oder „Für mich fühlt sich das … an“ benutzt.
  3. Reflektieren: Spiegele das Gesagte, wie im Punkt „Paraphrasieren“ beschrieben, aber auch die Dinge, die du an deinem Gegenüber beobachtest, wie Körperhaltung und Stimmung. Du könntest z.B. sagen: „Du siehst niedergeschlagen aus.“ oder „Du wirkst auf mich sehr aufgebracht.“

Aktives Zuhören erfordert einige Übung, aber bereits einzelne Aspekte davon in Gespräche einzubauen, kann sehr hilfreich sein. Einfühlsame Kommunikation fördert einen positiven Gesprächsverlauf in vielen Situationen, im Gespräch mit Arbeitskollegen oder Vorgesetzten ebenso wie mit dem/ der Partner*in oder ihren Kindern. Es führt dazu, sich selbst und die eigenen Reaktionen besser zu verstehen und gibt dem Gegenüber das Gefühl, dass man ehrlich an seinen/ ihren Gefühlen und Gedanken interessiert ist und sie zu verstehen versucht. Daher ist diese partner*innenzentrierte Kommunikation gut geeignet, um soziale Beziehungen zu verbessern und zu festigen. (Quelle: Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“, rororo Sachbuch)